Dienstag, 14. Oktober 2008
Reisetagebuch
Durch Arequipa zieht sich ein kleiner malerischer Wildwasserfluss, ueber welchen alte gepflasterte Bruecken fuehren. Auch die gesammte Altstadt ist gepflastert und gesprenkelt mit imperialistischen Prachbauten und Kathedralen. Arequipa wirkt, verglichen mit Lima, kleinstardtisch und ruhig, mal gucken was die Nacht so bringt.
Koennte jedoch auch sein, dass diese nachd er Zerstoerung durch Erdbeben ergaenzt wurden, viele Gebaude sind renoviert.
Von 2300 m aus fuhren wir mit nem Touristenshuttel hoch in die Berge, vorerst auf eine Hochebende von ueber 4000 m. Uberraschend schnell wechselt die Vegetation an der Hoehengrenze von 4000 m. Die Kakteen verschwinden, harte, leblos wirkende Graeser begelben die Hochebene und ab und zu tauchen in der Ferne ein Lama, Alpaka oder Vicuniaherden auf. Lebende Punkte in der Ferne.
Wasser in dieser Hoehe sieht man kaum in der Trockenzeit. Es sind eher Mooslinien, in welchen Wasser fliesst oder sickert.
Die anzdarbietung wurde mir jedoch zum verhaengis. Und ihr koennt jetzt drei mal raten wer von der Taenzerin als erstes zum Tanzen aufgefordert wurde. Ja richtig, der Gringo mit den blonden Haaren. Hatten natuerlich alle tierisch ihren Spass.
Nach drei Stunden raus und rein in den Bus, da wir ja keinen Andenkenstand auslassen durften, wurden wir dann angeleiet an der richtigen Stelle neben 50 anderen Touristen den Cannyon runterzugucken.
Die Fahrt war wunderschoen. Entlang des vorderen Cannyons, an den Berhaengen, es erstrecken sich unzaehlige Terrassen, die zum Teil sogar in Ebenem Gelaende mit grasueberwachsenen Mauern begrenzt wurden. Eventuell aufgrund der momentan herschenden Trockenzeit erschienen sie jedoch nachlaessig bewirtschaftet.
Puno ist echt die peruanischste Stadt, die ich bisher kennengelernt habe. Direkt am Titikakasee, total häßlich aber voller Leben. Wenn man von oben auf die Stadt guckt sieht man ein braun, graues Meer aus Beton und Steinen, aus welchen ab und zu ein hellgrünes, tiefrotes oder orangenes Klötzchen herausguckt. Dahinter erstreckt sich ein anderes grünes Mehr. Sowohl der „See“, als auch die riesigen Schilfflächen gleichen sich farblich. Der Tag hier beginnt meist mit Regen oder zumindest bewölkt, bis so ab 10 die Sonne rauskommt, die sehr stark, aber aufgrund des stetigen Windes, kaum zu spüren ist. Das ist auch der Grund, warum ich mir tatsächlich die Hände verbrannt habe, nen dünnen Pulli braucht man immer auf 3000 m, bei windigem Wetter.
Für 5 Euro pro Person fuhren wir mit einem kleinen Bötchen auf dem Titikakameer auf eine wunderschöne Insel (Tequile). Bei strahlender Sonne haben wr uns von der Tourigruppe abgeseilt und sind selber durch das 200 Seelen Örtchen gelaufen. Mittlerweile glauben wir zu verstehen wie die Touritouren funktionieren und konnten rechtzeitig vor dem 20 Soles-Essen heimlich verschwinden. Tourgides können da richit zickig werden!
Selbst in so kleinen Orten gibt es mindestens zwei Supermärkte. Einen für die Einwohne und einen für Touristen. Dabei sind die Preisunterschiede enorm und reichen bis zum fünffachen.
Rund um die Stadt zog sich einst eine Festungsmauer, von dieser sind heute nur noch die Torbögen erhalten. Teilweise mit Blumen verziert, kann man sie nicht nur vor Ort, sondern auch auf zahlreichen Postkarten als Wahrzeichen bestaunen. Sie stehen erhaben zwischen dem strahlend blauen Himmel und den genauso blauem Wasser.
Mit unserem Bötchen dauerte die Fahrt dorthin ungefähr drei Stunden. Plus die Zeit, die auf den schwimmenden Inseln verbracht haben. Inseln, die aus Schilf erbaut wurden und wie Flöße auf dem Wasser liegen. Es sind große Komplexe von aneinandergebundenen Plattformen, ausschließlich aus Schilf, auf welchen kleine Hütten gebaut wurden. Auch dort gibt es mittlerweile Strom und Fernseher, vielmehr aber halt auch nicht. Uns wurde erzählt, dass die Menschen dort eine für Peru ungewöhnlich lange Lebenserwartung haben (über 80 Jahre), da sie viel Schilf (,das wir natürlich auch probieren mußten schmeckt nach einer Mischung aus rohem Kohl und bitterem Spargel mit viel Wasser drin) und Fisch essen. Doch irgendwie habe ich da so meine Zweifel. Die sind alle total dick. Vermutlich ist auch das wieder ein negativer Effekt des Tourismus. 10 mal am Tag wird eine Fuhre Touristen angeschleppt. Die höre sich dann ein von ihnen schlecht gesungene Lieder, auch ein englischsprachiges, bekommen vom Familienoberhaupt, der dickste von allen, erklärt, wie diese Art von Inseln gebaut werden und sollen bitte anschließend viel Touristenkram kaufen. Der kostet auf der Insel dreimal so viel wie aufm Festland. In jedem zweiten Satz wird erwähnt, dass wir nun Freunde der Familie wären und jederzeit zurückkommen könnten, amigos hier amigos da. Es wurde uns vorgegeben einen normalen Tag im Leben mitzuerleben. Wahrscheinlich ist es das auch echt, die Aufregung der westlichen Welt gegenüber anderen Kulturen zwingt diese Menschen dazu den Tourismus zu leben und ihre Kultur zu vergessen. Bestimmt verdienen sie damit mehr Geld, doch zu welchem Preis. Viele dieser Menschen wissen nicht mehr wie man eingenhändig ein Boot auf Schilf baut, alle können jedoch wunderschöne Schlüsselanhänger in Bootform binden und Miniaturtouris zusammenkleben. Das schlimme für mich war, dass diese Menschen vom Betteln und ihren drei Sätzen leben können. Meines Erachtens sind es arme Leute, denen ihre eigentliche Kultur durch unsere Geilheit und die von uns erwarteten Stereotypen genommen wurde.
Nach einiger Verwirrung und Aergernissen (wer will was? PS: ich werde nie mehr mit 10 Leuten verreisen, das sind einfach zu viele) haben Jesus und ich einen Tag selber gestalltet und uns von unserer Gruppe geloesst. Sehr erfolgreich wie ich meine. Um 6 sind wir aufgestanden und sind mit dem ersten Micro nach Pisac gefahren (50 Cent). Auch ein Dorf, welches sich sehr auf Andenkenkram spezialisiert hat. Doch um 8 schlaeft der echte Tourist ja noch und so war in dem Dorf auch noch nicht viel los. Es war klasse mit ner lauwarmen Tasse Kaffee in der Hand zu shen wie der Tag beginnt. Langsam wurden die Staende aufgebaut, Langsam die ersten Cafés geoeffnet.
Pisac liegt am Fusse von Bergen, welche die Inka in Sachen Wohnen und landschaftlicher Nutzbarkeit komplet nutzbar gemacht hatten. Diese Ueberreste sind zwar 600 Jahre alt, doch ist es immer noch beeindruckend, in welchem Gelaende es diese Staemme geschaft haben Bauten zu errichten. Es schein ein besonderer Reiz bestanden zu haben, moeglichst an hochgelegen und unzugaenglich Plaetzen Denkmaeler und Opferstaetten zu errichten. Das heisst in den Anden fast immer wahnsinig beeindruckend. Leider haben wir schon fuer die Stadt Pisac ein bisschen Zeit vertroedelt, sodas wie uns erst um 12 nach einem Combi Richtung Urubamba umgesehen haben. Urubamba existiert eigentlich nur, da sich dort die zwei wichitgsten und somit asphaltierten Strassen der Region kreuzen, haesslich und ohne ein richtiges Zentrum. Wir sind also direct fuer 20 Cent weiter nach Ollantaytambo. Ein total suesses Touristenoertchen, in dem auch noch abseits vom Tourismus Menschen leben. Dort gibt es zwei mittelmaessig imposannte Inkaruinen zu Fusse deren sich der Ort und riesige Felderflaechen erstrecken. Ein wunderschoenes Bild bei untergehender Sonne.
Anschliessend sind mir mit einem Autobus nach Moray gefahren. Na ja, fuhr leider nicht ganz dahin. So mussten wir an einer Strassenkreuzung noch einmal jeder 3 Euro fuer ein Taxi ausgeben. In der naehe von Moray haben die Inka ein Experimentierzentrum fuer landwirtdschaftlich nutzbare Pflanzen errichtet., eine Art Hoehenlaboratorium, mit Hilfe dessen sie die Ertraege von verschiedenen Pflanzen in verschiedenen Hoehen vergleichen wollten. Wir hatten Glueck, dass unserer Taxifahrer mit der “Kartenabreisserin” verwandt war. So sind wir nach der Besucherzeit noch reingekommen. Es war einfach klasse wie es dunkel wurde und wir unterm Sternenhimmel auf 3500 m zurueck zum Eingang und mit dem wartendem Taxi zurueck zur Wegkreuzung gefahren sind. In der Absicht einen Bus zurueck nach Cusco zu nehmen, der um 7 vorbeikommen sollte aber nicht kam. Nach einer Stunde frieren (gefuehlte drei) hat uns ein Collectivo mitgenommen, in dessen Kofferraum nur eine Persohn sass, somit also noch fuer zwei Platz war. Eine halbe stunde spaeter hat uns der Fahrer sogar aus seinem Haus, an dem wir vorbeigefahren sind eine Decke gegeben. Um halb 8 waren wir dann zurueck in Cusco. Leider hat Jesus nach dem Bazahlen (1 Euro pro Persohn) seine Plastiktuete im Taxi liegen lassen. Sein Plastiktuete mit meinem Regenueberzug und meiner John-Regenjacke, die ich ihm ausgeliehen hatte. Also an alle da druassen in Peru, wenn ihr jemanden seht mit einer dunkelgruenen Plastikjacke auf der gross hinten “Feinkost John, am Zeltinger Platz die Nummer 1” draufsteht, klaehrt ihm auf und gratueliert ihm, ich finde die Vorstellung klasse, dass ein Peruaner mit meiner Werbejacke rumlaeuft!!! Ich betrachte das als den skurielsten kulturellen Austausch, zu dem ich jeh beigetragen habe.
“Mach Pitchu fuer Geld-Nicht-Haber”
Morgend um 8 gings los nach Santa Maria mit dem Bus. 5 h lang eine total spektarulaere Fahrt, erst aud asphaltierten, dann wieder aus Huppelpisten bis zu einer Busstation mit drei Kneipen und ein paar Haeusern, die sich sich Santa Maria nennen und erstaunlich dick in der Karte eingetragen sind. Wir warteten die einzigen Touris weit und breit, dennoch warteten bestimmt 5 Maenner auf uns, um uns mit ihrem “Taxi” nach Santa Teresa zu bringen, ich war ja dafuer auf dem Pick-up hinten fuer 1,20 Euro mitzufahren, doch das Argument knalle Sonne hat mir dann doch eingelaeuchtet und ich habe eingewilligt 0,50 Euro mehr zu zahlen. Fuer 2,50 Euro hat uns der Taxifahrer dann gleich zum Wasserkraftwerk gefahren. Ein Wasserfall wird dort genutzt um die ganze Region mit Strom zu versorgen. Eine wahnsinnige Strecke, 1,5 h durch verschiedene Schluchten auf einer einspurigen Strasse, die sich an Abgruenden entlangschlaengelt, dass einem Schlecht wird (natuerlich ohne Abgrenzung). An Schneebedeckten Berggipfeln vorbei, bis man am Fusse des Machu Pitchu stand. Bis Aguas Calientes waren es dann noch ungefaehr 10 km an Bahngleisen entlang bis zum Ende einer graniosen Schlucht, durch zwei Tunnel, endlich im Machu Pitchu Pueblo. Als wir endlich dort waren war es auch schon wieder dunkel. In diesem wohl touristischstem Dorf Perus haben wir sogar noch eine anstaendige Unterkunft im “Hotel Veronica” fuer 3,5 Euro die Nacht pro Persohn gefunden. Und sind anschliessend klasse fuer 1,5 Euro Huenchen essengegangen.
Um morgens bei Sonnenaufgang oben zu sein, sind wir um 3:30 Uhr aufgestanden, also 5 h geschlafen, und 1,15 h steile Treppen hochgestiegen. Total durchgeschwitzt stand ich da ander Kassen und trotzdem hat mich Juni auf den letzten Serpentienen keiskalt stehen lassen. 2 Jahre Pflichmilitaer in Korea scheinen seine Spuren hinterlassen zu haben. Auf der anderen Seite war ich als erster von allen 200 Touristen oben auf dem Waynapichu. 1,5 h Weg wurden angegeben, doch in einem kleinen Kontest mit einem Peruaner und einem Franzosen ging es dann doch um einiges schneller (0,5 h). Es war einfach fantastisch auf dem hoechsten Punkt zu stehen und, alleine, mitten in der Natur, neben schneebedeckten Gipfeln. Die Sonne kam langsam richitg hoch, es wurde waermer und sehr still. Weisse Gipfel und Urwald, mehr nicht. So schoene Momente gibt es selten. Eine halbe Stunde spaeter war der Zauber mit dem Kommen von 20 anderen vergangen.
Machu Pichu fand ich persoehnlich nicht so beeindruckend, auch die Vorstellung, dass mehr als die Haelfte wiederaufgebaut wurde oder sogar fertig gebaut wurde, da dei Staette aufgrund des spanischen Imperialismusses nie fertig gebaut wurde, hat meine Begeisterung gedaempft. Doch die Umgebung ist einzugartig. Es ist einfach granios, wie diese Goetterstadt gelegen ist. Das ueberragt sogar Gomera bei weitem. Viel Zauber wird durch den Tourismus genommen, umso gleucklicher bin ich das Gelaende fuer mich entdecken zu koennen, es hat sich sehr gelohn frueher aufzustehen. Doch ist der Tourismus auch super interessant. Zusehen was fuer Menschen da rumlaufen, ist sehr amuesant. Ich bin mit sicher, dass nicht eimal 10 % der Menschen taeglich dort waeren, wenn Mercedes nicht 50 Busse in Einzelteilen ueber die Bahnstrecke dorthin transportiert und dort zusammengebaut haette.
Endlich auf der Abgrund-Buckelpiste unterwegs, macht der Taxifahrer auf einmal die Tuer in der Kurve bei voller fahrt auf, um zugucken ob der Vorderreifen geplatzt ist. Um halb 10 sassen wir dann endlich im Bus in Richtung Cusco und waren dann auch tatsaechlich um halb 5 im Hostal.

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